| Berufswahl von ThirdCulture Kids | |
| Geschrieben von Angelika Ludwig am 12.06.2006 um 18:24 Uhr | |
| Seit nunmehr zwei Jahren sind wir nach insgesamt 13 Jahren Auslandsausfenthalt ( 7 Jahre England,1 Jahr Kairo,5 Jahre Argentinien) mit unseren beiden Kindern ( 22 + 21 Jahre) in Kassel "angekommen". Beide Kinder haben in Buenos Aires sowohl ihr argentinisches als auch ihr deutsches Abitur gemacht,sprechen perfekt drei Sprachen, sind kontakfreudig und offen. Nach aussen also die perfekte Aushangsvoraussetzung für einen fulminanten Karrierestart. Doch die Vielfalt der gewonnenen Eindrücke und Möglichkeiten scheint sie zu lähmen und ihnen die Entscheidung für einen Weg fast unmöglich zu machen. Wer hat ähnliche Erfahrungen nach der Rückkehr gemacht und könnte mir Hilfe zur Hilfe geben? | |
| AW: Berufswahl von ThirdCulture Kids | |
| Geschrieben von Brigitte Hild am 15.06.2006 um 10:40 Uhr | |
| Hallo Frau Ludwig,
generell beobachte ich immer wieder, dass "Auslandskinder" später erwachsen werden und länger nach "ihrem" Weg suchen als Kinder, die kontinuierlich an einem Ort aufgewachsen sind. Ihre Vermutung "Doch die Vielfalt der gewonnenen Eindrücke und Möglichkeiten scheint sie zu lähmen und ihnen die Entscheidung für einen Weg fast unmöglich zu machen" lässt mich dabei aufhorchen. Diese Beobachtung deckt sich nämlich mit den Ergebnissen einer groß angelegten US-amerikanischen Studie zu TCKs aus dem Jahr 1993: "Third Culture Kids werden in der Regel später "erwachsen". Sie brauchen oft länger, sich für einen Ausbildungsgang oder einen Beruf zu entscheiden. Es fällt ihnen buchstäblich schwer, sesshaft zu werden. Sie haben auch weniger Skrupel als Gleichaltrige, einen einmal eingeschlagenen Weg, ein Studium zum Beispiel, nach einiger Zeit wieder aufzugeben und noch einmal von vorne zu beginnen. So kommen sie oft langsamer zum Ziel, sind aber in aller Regel dann beruflich sehr erfolgreich. Viele TCK's sind im Management, sehr viele in einem internationalen beruflichen Umfeld tätig." Und weiter: "Third Culture Kids vermissen vor allem als junge Erwachsene das Gefühl der Dazugehörigkeit. In der Phase der Berufs- und Partnerwahl und der Weichenstellung für einen bestimmten Lebensstil kann dieses Gefühl der Andersartigkeit durchaus sehr schmerzhaft sein. Die meisten Befragten gaben an, dass sie sich auch lange nach der Rückkehr nicht vollkommen integrieren können. Doch sie suchen ihren Weg und finden ihre Nische. Dabei passen sich zwar den äußeren Umständen weitgehend an, leben aber doch wesentlich individueller als Menschen, die nie mobil waren." Das Aufwachsen in einem fremden Land beurteilten die meisten der Befragten insgesamt jedoch als positive Erfahrung. Kaum einer hätte mit anderen, sesshaften Jugendlichen tauschen wollen, viele wünschen sich auch für die eigenen Kinder eine ähnlich international geprägte Kindheit. Diese Einschätzung bestätigt auch eine Umfrage, die Damaris Kunde von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg im Herbst 2004 mit 14 TCKs durchführte. Haben Ihre Kinder denn Kontakt mit anderen TCKs und sich bereits selbst einmal bewusst mit der Thematik auseinander gesetzt? Da Sie selbst den Begriff TCK in Ihrer Frage verwendet haben, gehe ich davon aus, dass Sie sich dazu bereits informiert haben. Trotzdem sind vielleicht diese weiterführenden Informationen für Sie hilfreich: Zur Untersuchung von Ann Baker Cottrell und Kathleen A. Finn Jordan: http://www.iss.edu/pages/kids.html Zum Thema "Third Culture Kids" allgemein: http://www.tckworld.com http://www.crossculturalkid.com Buchtipp: David Pollock, Ruth Van Reken, Georg Pflüger Francke-Buch, 2003, ISBN 3-86122-632-4 Third Culture Kids - Aufwachsen in mehreren Kulturen Alles Gute und herzliche Grüße Brigitte Hild |
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