| Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Brigitte Hild am 17.08.2002 um 16:59 Uhr | |
| Hallo,
mit einer steigenden Zahl von Auslandsentsandten wird das Thema Entsendung auch in den Medien zunehmend präsent. Die Berichterstattung konzentriert sich dabei auf Probleme und Fallstricke, mit denen Expats vor, während und nach der Entsendung konfrontiert sind. Und wirklich sind die Jahre in der Fremde - noch immer vom Flair der Exotik umweht - nicht immer leicht: Die Firmenzentrale in Deutschland erwartet schnelle Erfolge, die Begegnung mit der neuen Kultur gestaltet sich schwieriger als erwartet, der Alltag in einem fremden Land fordert Energie und Kraft, das Heimweh nagt und auch die Rückkehr nach Deutschland verläuft nicht immer völlig problemlos. Aber das ist ja nur eine Seite der Medaille. Fragt man Auslandsrückkehrer, ob sie den Schritt in die Fremde noch einmal gehen würden, lautet die Anwort in fast allen Fällen "ja". Was ist es, das die Auslandsentsendung zu einer positiven Erfahrung werden lässt? Die Chance, ein fremdes Land intensiv kennen zu lernen? Für einen gewissen Zeitraum ganz anders zu leben? Beruflich mehr Verantwortung zu übernehmen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie sehen Sie den Auslandsaufenthalt auf Zeit: Frust oder Lust - oder beides? Was gefällt Ihnen am Expatriate-Leben, wo sehen Sie die Schwierigkeiten? Gibt es Regeln, die man beherzigen sollte? Welche Tipps würden Sie anderen geben? Ich bin gespannt auf Ihre Meinung! Herzliche Grüße Brigitte Hild |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Renate am 21.08.2002 um 08:49 Uhr | |
| Liebe Brigitte,
es ist immer beides, Lust und Frust, Freude und Traurigkeit, Abenteuer und Routine, Vorteil und Nachteil, Licht und Schatten. In dem Bericht der Frau aus Hongkong war dieses Zwiespältige sehr gut dargestellt, finde ich. Sonnige Grüße Renate |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Brigitte am 21.08.2002 um 17:55 Uhr | |
| Liebe Brigitte,
seit zwei Jahren lebe ich nun mit meinem Mann in San Diego. Fuer mich,die in Oesterreich selbstaendig war und viel Erfolg damit hatte, war es ein Schock,ploetzlich total isoliert von allem Beruflichen zu sein. Ich habe mich monatelang mit d Selbstmitleid herumgeschlagen. Aber zu erkennen, dass Veraenderungen auch neue Chancen mit sich bringen, kann ein voellig neus Leben ermoeglichen. Ich spiele jetzt Golf,Walke taeglich an einem der schoensten Stranede der Welt und schreibe an meinem dritten Buch. Ab Fruehjahr 2003 werde ich mein Leben zwischen Wien und San Diego aufteilen und neue Seminare anbieten - Workshops fuer zukuenftige Expatriates in den USA! Ich wuensche allen Partnerinnen, die diesen Schritt unternehmen eine bessere Vorbereitung. |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Brigitte Hild am 23.08.2002 um 13:11 Uhr | |
| Hallo Brigitte :-),
vielen Dank für Deinen offenen Beitrag. Du hast völlig recht: Das Leben im Ausland bietet völlig andere Möglichkeiten und Chancen - wir müssen das allerdings erst erkennen und akzeptieren, dass wir uns dem Neuen ohne zu viele Vorurteile und festgefahrene Verhaltensweisen stellen können. Haben Deine Bücher inhaltlich mit Deinen Expat-Erfahrungen zu tun? Dann würde ich mich sehr freuen, mehr darüber zu erfahren. Mit herzlichen Grüßen nach Kalifornien Brigitte Hild |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von DieTina am 17.09.2002 um 10:12 Uhr | |
| Walken, golfen und Bücher schreiben - genau so wie sich Lieschen Müller das Leben der Auslandsdeutschen vorstellt?!???? Mich füllt walken nicht aus, Golf ist mir auch hier in den USA zu elitär und als PTA kann ich hier eben nicht arbeiten. Jeder muss machen, was er denkt und für richtig hält, es gibt keine Lösung die für alle passt. Die Möglichkeiten sind im Ausland doch viel weniger als zuhause und wenn das eigene Geld fehlt, geht das mehr in Richtung Frust als Lust. | |
| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Brigitte am 21.09.2002 um 01:21 Uhr | |
| Liebe Tina!
Natuerlich kann man vom Walken alleine nicht leben. Aber Golfen ist kein elitaerer Sport hier, zumindest nicht in suedkalifornien - man muss weder Mitglied in einem exklusiven Club sein, noch teure Sportkleidung tragen, zumindest nicht in Suedkalifornien. Und was das Schreiben betrifft: Zwei meiner Buecher habe ich bereits in Oesterreich geschrieben und veroeffentlicht, eines davon wird als jetzt Schulbuch verwendet. Hat also mit Lieschen Mueller nichts zu tun, im Gegenteil es geht bei meinem dritten um Auslandsentsendungen. Ich kann deinen Frust gut verstehen, bin selbst monatelang damit herumgelaufen, aber es gilt doch immer, irgendwie einen Konsens zu finden und wenn man es schafft, die momentane Lage zu akzeptieren, ergeben sich auch neue Moeglichkeiten und Ideen. Da ist es ganz egal, ob du in Deutschland oder den USA bist! Liebe Gruesse, Brigitte |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von am 01.10.2002 um 08:48 Uhr | |
| Mein Name ist Gaby, ich lebe seit 7 Jahren in den USA und ich kann Tina und Brigitte verstehen. Zuerst waren wir in Houston und ich fand es nur schwierig. Keine Kontakte, die Zeit ging nicht rum und ich habe Deutschland unheimlich vermisst. Erst im dritten Jahr habe ich mich richtig wohlgefuehlt, aber dann kam auch schon der Umzug nach Philadelphia. Hier ging es mir ziemlich schnell sehr gut, weil ich mir vorgenommen hatte, nicht wieder so lange vor mich hin zu leiden. Die Kinder sind jetzt groesser was es auch einfacher macht. Aber es gibt einfach so viel hier, was viel entspannter und unkomplizierter moeglich ist als in Deutschland und das geniessen wir alle sehr. Tina , dir rate ich durchhalten und etwas suchen, was dir richtig viel Freude macht. Alles Gute
Gaby |
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| Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Sabina am 12.10.2002 um 13:56 Uhr | |
| Ich habe gerade mit meiner Diplomarbeit zum Thema Expatriats begonnen.
Für die für Arbeitseinsätze ins Ausland entsandten Mitarbeiter stellt der Auslandseinsatz in der Regel eine positive Herausforderung dar, die jedoch gleichwohl mit persönlichen Problemen einhergehen kann. Der arbeitsvertraglichen Gestaltung kommt in diesem Zusammenhang eine besonders hohe Bedeutung zu, da der Mitarbeiter für seinen persönlichen Einsatz attraktive Vertragskonditionen erwartet und "abgesichert" sein möchte. In verschiedenen Unternehmen erfolgt die Absicherung auf unterschiedlichem Niveau und mit einem breiten Spektrum an Leistungen. Es wäre deswegen besonders interessant, einen Überblick über die von verschiedenen Unternehmen gewährten Entsendungsbedingungen zu erhalten und auf dieser Grundlage Anregungen zu gewinnen. Aus diesem Grund möchte ich einen Fragebogen erarbeiten um die wichtigsten Bedingungen international agierender Arbeitgeber - auch verschiedener Branchen - vergleichen zu können. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auf diesem Wege Kontakte knüpfen könnte :-)) Vielen Dank |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Renate am 31.10.2002 um 14:42 Uhr | |
| Liebe "Diplomatenfrau",
Deinen Beitrag fand ich sehr offen und Du beschreibst einen wichtigen Punkt: Was ist, wenn wir heimkommen. Inzwischen gibt es in Deutschland ein Heer von gut ausgebildeten Arbeitslosen und da wartet man wohl kaum auf die Rückkehrerfrau, auch die viel gelobte Auslandserfahrung hilft da bestimmt nicht viel weiter. Aber das Problem gibt es in der Wirtschaft genau wie bei den Diplomaten, nicht wahr? Auch bei uns wird erwartet, dass die Frau Abendeinladungen organisiert und die Geschäftsreisenden aus Deutschland unterhält, das klassische "Damenprogramm" ist doch auch noch nicht ausgestorben. Was die Partnerschaft betrifft, gibt es aus Asien auch eine Menge zu berichten... Ich sage mir trotzdem immer, dass das Leben auch in Deutschland nicht ohne Probleme abgehen würde :-) |
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| AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von B. am 05.11.2002 um 14:00 Uhr | |
| Liebe Renate,
offensichtlich leben Sie wie ich in Asien mit wahrscheinlich ähnlichen Annehmlichkeiten aber auch mit ähnlichen Belastungen. Hier leben etwa 200 Expats aus Europa, USA Neuseeland und Australien, etwa 15 von ihnen sind Deutsche. Viele der Männer sind mit Asiatinnen liiert, nichtasiatische Frauen sind im Stadtleben immer noch die Ausnahme. In Restaurants oder in den Bars der großen Hotels trifft man vorwiegend junge Menschen, Frauen über 30 gehören zur absoluten Minderheit. Eine Heirat mit einem Ausländer ist für viele Frauen ein erstrebenswertes Ziel mit welchem Anspruch letztlich auch immer. Zum normalen Leben in Hotels, vielleicht auch in Karaoke- und anderen Bars gehören Prostituierte, die ganz offen ihre Massagedienste anbieten, manchmal bis in die Zimmer telefonieren oder dort klingeln. Die älteren Männer, die man z.B. im Aufzug mit blutjungen Mädchen antrifft, sind bestimmt nicht deren Väter! Sicherlich versucht man der Stabilität der eigenen Beziehung zu vertrauen, schwierig ist die Situation dennoch. Wir haben vor unserer Ausreise eigentlich ein gutes interkulturelles Training erfahren, nach meiner Erinnerung war diese Problematik dort jedoch kein Thema. Oder ist es vielleicht gar keine Problematik !? |
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| Geschrieben von Marianne am 04.04.2003 um 15:23 Uhr | |
| Ich habe knapp 5 Jahre zusammen mit meinem Mann in Tansania
gelebt und hatte das Glück, in der gleichen Firma zu arbeiten. Der Job in so einem Land hat sehr viel Nerven und Geduld gekostet ? zumindest für meinen Mann. Er war in all den Jahren dort echt gestresst, selbst an den Wochenenden kam kaum Ruhe auf. Es trat oft Frust auf, wenn z.B. der Strom 8 Std. und länger abgestellt wurde, in der Firma und im Haushalt dadurch nichts lief, es Ärger mit dem Personal gab, weil die afrikanische Lebenseinstellung eine andere als unsere ist. Man muss Nerven wie Drahtseile haben!!! Ich persönlich habe manchmal sehr darunter gelitten. Anderseits habe ich den afrikanischen Flair in mir aufgesogen und konnte mich z.B. stundenlang auf dem Fischmarkt aufhalten und dem Treiben zuschauen. Das hat mich glücklich gemacht. Oder aber auch, wenn wir die Schönheiten des Landes kennen lernten und wenn ich unseren Sohn von der Internationalen Schule mittags abholte und nur glückliche und fröhliche Kinderaugen aus aller fernen Länder sah. So gibt es noch viele andere Beispiele. Die Rückkehr und Wiedereingliederung in Deutschland verlief ohne Probleme. Ich hatte allerdings immer Heimweh nach ?meinem Afrika? ? die Sehnsucht wurde nie gestillt. Nun stehen wir vor einer erneuten Ausreise nach Kairo. Einerseits freue ich mich, wieder neue Menschen und ein neues Land kennen zu lernen. Anderseits habe ich Angst vor dem Ausreisestress und davor, dass ich dieses Mal ?nur? als mitreisende Ehefrau meinen Mann begleiten werde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich dieses Leben ausfüllen wird. Warten wir es ab, was es uns bringen wird!! Lust oder Frust???? |
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| Geschrieben von Brigitte Hild am 24.04.2003 um 10:53 Uhr | |
| Hallo Marianne,
Ihr ausführlicher und offener Bericht hat mich sehr berührt - vielen Dank! Ihre Jahre in Tansania müssen wirklich sehr spannend gewesen sein, eine lust- und frustvoll Zeit :-), und ich kann gut verstehen, dass Ihre Afrika-Sehnsucht Sie auch in Deutschland immer wieder eingeholt hat! Für die vor Ihnen liegende Zeit in Kairo wünsche ich Ihnen ganz viele schöne, spannende und glückliche Momente, sicher hat es auch seine Vorteile, ein fremdes Land erkunden zu können, ohne direkt im Job Verpflichtungen übernehmen zu müssen. Spannende Begegnungen werden Sie sicherlich haben und vielleicht ist die folgende Adresse ein erster Schritt zu neuen interessanten Kontakten: http://www.KairoFamilienNetz.de Alles Gute für Ihren Start in Ägypten und herzliche Grüße Brigitte Hild |
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| AW: AW: Im Ausland leben - Lust oder Frust? | |
| Geschrieben von Holger am 27.05.2003 um 08:16 Uhr | |
| Ich verstehe nicht, wie man so um sich selbst kreisen kann. Wir haben Terror, Kriege, SARS und eine Wirtschaftskrise, wie sie die Welt schon lange nicht mehr gesehen hat. Deshalb sollte jeder von uns alle Chancen nutzen, die sich bieten und vor allem mitgestalten statt wie das Kaninchen vor der Schlange zu zittern und nur nach Risiken zu schielen. Wir brauchen mehr Mut, die Auswanderer im vorigen Jahrhundert haben auch einfach ihr Schicksal in die Hand genommen. | |
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| Geschrieben von Katharina am 19.10.2004 um 11:45 Uhr | |
| Mein Mann hatte vor 2 Jahren ein tolles Angebot von einer ägyptischen Firma erhalten. Nach einer gemeinsamen Entscheidung sind wir vor 1,5 Jahren nach Alexandria ausgewandert. Ich muß sagen, das ich viel für mich dazu gelernt habe. Mich alleine in einem Land zurechtzufinden, dessen Sprache ich nicht verstehe und man oftmals mit Englisch nicht weit kommt. Nun kommt aber die Zeit, in der ich mich frage, was soll ich tun? Ein bißchen Frust kommt auf. Vor der Ausreise vollzeit auf einer gehobenen Position gearbeitet und nun, nichts mehr. Desweiteren fehlt natürlich auch der Kontakt zu deutschsprachigen. Kairo ist da recht gut organisiert mit allem. Hier ist immer die Frage, wo lerne ich hier die Leute kennen?
Dies alles kommt natürlich jetzt zusammen und wird einem richtig bewußt. Aber aufgeben gibt es nicht. |
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