Als ich im Januar 1985 zu meinem ersten Auslandseinsatz nach China
aufbrach, ging ich buchstäblich ganz weit weg. Die achttausend
Kilometer Distanz waren nur mühsam zu überbrücken: Zwei Flüge pro Woche
gab es zwischen Frankfurt und Peking, Briefe waren drei bis vier Wochen
unterwegs, Telefongespräche wurden handvermittelt, mussten Stunden
vorher bestellt werden und kosteten ein Vermögen, Zeitungen kamen mit
wochenlanger Verspätung - oder je nach Inhalt auch gar nicht. Die
Nabelschnur zur Firmenzentrale war der Lochstreifen-Fernschreiber, die
Informationen zum Weltgeschehen lieferte die BBC über Kurzwelle,
morgens um sechs Uhr, denn nur um diese Zeit war der Empfang möglich.
Die
Zeiten haben sich glücklicherweise geändert! Häufigere, schnellere und
preiswertere Flugverbindungen, Mobiltelefone,
Satelliten-Empfangsanlagen und natürlich das Internet tragen dazu bei,
dass Expatriates sich auch Tausende Kilometer von Zuhause entfernt
nicht am ‚Ende der Welt’ fühlen. E-Mail, Chat und Internettelefonie
lassen die Verbindung zu Angehörigen und Freunden nicht abreißen, die
Tagesschau, der heimische Radiosender oder die Tageszeitung via
Internet halten über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden,
Weiterbildungsangebote liegen nur einen Mausklick entfernt. Und von der
Vorbereitung bis zur Rückkehr gibt es für alle Phasen eines
Auslandsaufenthalts spezielle Online-Angebote, die häufig sogar von
Expats selbst gestaltet werden und Auslandsmitarbeiter und ihre
Familien informieren und unterstützen.
Sobald der Gedanke an
eine Auslandszeit im Raum steht, ist das Informationsbedürfnis groß.
Ein erster Schritt sollte potentielle Auslandstätige zunächst zum
Internetangebot des Auswärtigen Amts führen. Unter
www.auswaertiges-amt.de finden sich nämlich nicht nur die Adressen der
deutschen Auslandsvertretungen von Ägypten bis Zypern, sondern auch
grundlegende Länderinformationen, Sicherheitshinweise und die
reisemedizinischen Informationen des amtseigenen Gesundheitsdienstes.
Die deutschen Botschaften im Ausland unterhalten darüber hinaus auch
eigene Webseiten, die ebenfalls mehr oder weniger ausführliche
Informationen für deutsche Auslandstätige bereit halten. Oft finden
sich dort neben allgemeinen Hinweisen zu konsularischen Fragen auch
weiterführende Links oder spezielle Tipps für Neuankömmlinge. So
informiert die 26-seitige Broschüre „Willkommen in Singapur“ der
Deutschen Botschaft in Singapur beispielsweise nicht nur über Ärzte,
Krankenhäuser und Fragen der Aufenthaltserlaubnis, sondern nennt auch
Kinderspielplätze, Supermärkte oder beliebte Treffs, um deutschen
Familien das Einleben zu erleichtern.
Eine ausführliche
Linksammlung verbirgt sich unter der Webadresse www.germanexpats.com.
Diese Seite wird vom Institut für Interkulturelles Management in
Rheinbreitbach unterhalten, das viele Auslandsmitarbeiter deutscher
Unternehmen auf den Auslandseinsatz vorbereitet. Für viele Länder
Asiens, Lateinamerikas und des arabischen Raums sowie der USA lassen
sich hier Informationen finden. Interessant ist auch die Idee,
Expatriates selbst über ihre Erfahrungen im Ausland berichten zu
lassen: Ein „Expat-Storyboard“ bietet die Plattform, die eigenen
Erlebnisse mit anderen zu teilen.
Wer sich zunächst über viele
praktische Fragen seines geplanten Auslandsaufenthaltes informieren
möchte, sollte einen Blick auf die Seite www.justlanded.com werfen. Für
25 Länder haben die Betreiber des Informationsportals Antworten auf
grundlegende Fragen zusammengetragen. Wie funktioniert das
Gesundheitssystem, was muss ich über den Wohnungsmarkt wissen, wie
melde ich Telefon und Internet an: Die Hinweise finden sich hier in
englischer – und für einige europäische Länder auch in deutscher –
Sprache, in einem Forum können erfahrene Expatriates und Neuankömmlinge
miteinander diskutieren.
Größere Unternehmen stellen ihren
Auslandsmitarbeitern immer öfter auch gezielte Informationen im
firmeneigenen Intranet zusammen. Oder sie ermöglichen ihnen den Zugang
zu einem Webportal, das sich speziell auf die Bedürfnisse mobiler
Familien eingestellt hat. Unter www.goingglobal.de finden die
Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen ein Info-Angebot, das sie bei
der Gestaltung der Auslandszeit unterstützt. Checklisten und Adressen
an Entsendungsorten erleichtern die Vorbereitung auf den
Auslandseinsatz, Informationen zum aktuellen Geschehen in Deutschland
sorgen dafür, dass der Kontakt zur Heimat nicht verloren geht, ein
Forum ermöglicht den Kontakt zu anderen Expatriates und ein Team aus
Ärzten, Psychologen, interkulturellen Trainern und weiteren Experten
berät individuell.
Viele Hinweise und Empfehlungen rund um das
Leben im Ausland finden sich auch unter der Adresse
www.auslandsgemeinde.de . Hinter diesem Internetportal steht die
Evangelische Kirche Deutschland, die mit ihren deutschsprachigen
Auslandsgemeinden weltweit vertreten ist und fern der Heimat mit ihrem
Angebot auch viele Menschen erreicht, die sich in Deutschland
vielleicht nicht zur klassischen Gruppe der Kirchgänger zählen würden.
Die katholische Kirche unterhält ebenfalls engagierte deutschsprachige
Auslandkirchengemeinden in aller Welt, ihre Adressen finden sich unter
http://www.kath.de/kasdbk/index_gross.htm .
Eltern, die ihre
Kinder mit ins Ausland nehmen, stehen vor besonderen Herausforderungen.
Neben praktischen Aspekten wie der Wahl der geeigneten Schule steht vor
allem eine Frage im Vordergrund: „Wie schaffen wir es, die Auslandszeit
auch für unsere Kinder zu einer rundherum positiven Erfahrung zu
machen?“ Praktische Tipps und Hintergrundinformationen zum Thema finden
sie auf der Webseite www.ori-and-ricki.net . Die interkulturelle
Trainerin Hilly van Swol-Ulbrich wendet sich mit diesem
Internetauftritt zum gleichnamigen Buch vor allem an Familien, deren
Nachwuchs im Grundschulalter ist und macht Eltern und Kindern Lust auf
das Abenteuer Ausland. Detaillierte Informationen über die deutschen
Auslandsschulen finden sich unter www.auslandsschulwesen.de.
Eine
private Initiative ist die „Interessengemeinschaft Deutschsprachiger im
Ausland“. Hier haben sich vor allem multikulturelle Familien mit
Wurzeln im deutschsprachigen Raum zusammengeschlossen. Auf ihrer
Website www.imausland.org bezeichnen sie sich als " Menschen aus aller
Welt, die daran interessiert sind, ihren Kindern Deutsch als zweite
Sprache beizubringen, sich in ihrem Gastland aktiv am kulturellen
Austausch zu beteiligen und den Draht zu ihrem deutschsprachigen
Heimatland nicht zu verlieren". Mit Kontakten, Tipps und Tricks aus
eigener Erfahrung möchte man sich gegenseitig unterstützen, an einigen
Orten gibt es auch lokale IDA-Kontaktpersonen und persönliche Treffs.
Privates
Engagement und die Lust, mit anderen gemeinsam etwas zu bewegen – das
steht auch hinter den zahlreichen Clubs und Vereinen, die
deutschsprachige Expatriates im Ausland organisieren. Da ist zum
Beispiel der Deutsche Club in Shanghai: Was 1997 als lockerer
"Kaffeeklatsch im Konsulat" begann, wurde 1998 zum echten Club mit
Satzung, Vorstand, Programm und knapp 30 Gründungsmitgliedern.
Mittlerweile ist die Zahl der Mitglieder – fast symbolisch für die
chinesische „Boomtown“ - auf gut 400 angewachsen. Aktiv sind in erster
Linie die “mitausgereisten Partnerinnen“ der zahlreichen Expats, die
bei den regelmäßigen Treffs handfeste Tipps austauschen oder in
Interessengruppen alte und neue Hobbys verfolgen – ein Blick in die
Mitgliederzeitschrift „Postillon“ auf der Website des Clubs
(http://www.schanghai.com/deutscherclub ) zeigt das breite Angebot.
Auch
die German Speaking Ladies Group in Hong Kong ist längst im Internet
vertreten. Die Initiative, die unter dem Titel „Girls just wanna have
fun“ im vergangenen Jahr mit einer Riesenparty ihr 25-jähriges Bestehen
feierte, bietet ihren Mitgliedern ein abwechslungsreiches Programm, das
von der Sportgruppe über Vorträge zur chinesischen Kultur bis zum
karitativen Engagement reicht. Der jährlich aktuell aufgelegte,
umfangreiche "Leitfaden für Neuankömmlinge" hat sich zu einer "Bibel
für Neue" entwickelt, die alle wichtigen Informationen zum Leben und
Überleben in Hong Kong enthält. Aber erste Informationen zum Alltag in
Südchina finden angehende Expats bereits lange vor der Übersiedelung
auch auf der ausführlichen Website der Gruppe unter www.gslg.de
Wen
der Arbeitgeber ins ferne Japan schickt, kann ebenfalls schon vor der
Ausreise mit Landsleuten in Kontakt treten. „Wir geben Expatriates und
ihren Familien Hilfe bei der ersten Orientierung in Tokyo und
Yokohama“, sagt Katrin Boltze von der „Starthilfegruppe Tokyo. „Häufig
werden wir schon von Deutschland aus angeschrieben, da viele Familien
beispielsweise wissen möchten, wo man am besten wohnt, wenn die Kinder
auf die Deutsche Schule gehen sollen“. Um erste Fragen unkompliziert
beantworten zu können, hat die Starthilfegruppe eine Infobroschüre ins
Internet gestellt. Auf der Homepage der Deutschen Schule Tokyo findet
sie sich unter http://www.dsty.ac.jp/kommunikation/starthilfe.htm, dazu
gibt es Informationen zu weiteren Aktivitäten der Gruppe. Karin Boltze
empfindet Internet und E-Mail als große Erleichterung für ihre Arbeit:
„Gerade bei der enormen Zeitverschiebung macht E-Mail es einfacher,
Kontakt zu uns aufzunehmen.“
Das Internet hat die Arbeit der
Clubs und Initiativen verändert. Auch Angelika Franzen, die seit knapp
zwei Jahren die Bangkoker Frauengruppe Drehscheibe leitet, schätzt die
Möglichkeiten der neuen Medien – nicht nur im Kontakt mit Interessenten
aus Deutschland, sondern auch für das Netzwerk vor Ort: „Vor zwei
Jahren wurde unser Newsletter noch mit der Post verschickt, das haben
wir inzwischen längst auf E-Mail umgestellt. Alle Frauen sind ‚online’
und Internet und E-Mail sind für uns DIE Kommunikationsmittel. ‚Suche
Maid’, ‚Verkaufe Kühlschrank’,Interessante Expat-Website’ - all das und
vieles mehr geht über den E-Mail-Verteiler. Und da ich beruflich aus
dem Marketing- und Kommunikationsbereich komme, haben wir die Website
mit wöchentlichen Fotos und Artikeln ins Leben gerufen, die sich
mittlerweile auch international großer Beliebtheit erfreut.“ Unter
www.drehscheibe-bangkok.com finden Interessenten Informationen zur
Gruppe und ihren Aktivitäten und die unkomplizierte Möglichkeit zur
Kontaktaufnahme.
Deutscher Club Shanghai, German Speaking Ladies
in Hong Kong, Starthilfegruppe in Tokyo oder die Drehscheibe in Bangkok
– sie alle sind Beispiele, wie Expatriates sich mit Spaß und Engagement
in ihren Auslandsalltag einbringen und anderen Menschen die ersten
Schritte im Ausland erleichtern. Mit der Heimat in Kontakt bleiben,
neue Kontakte knüpfen, sich mit anderen vernetzen – gäbe es das
Internet nicht längst, es müsste für mobile Familien erfunden werden!
Autorin: Brigitte Hild
PersonalManager International