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E-Xpatriates - vernetzt statt verwurzelt?

Personal.Manager International 01/2007,
Datakontext-Verlag
Autorin: Brigitte Hild

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Als ich im Januar 1985 zu meinem ersten Auslandseinsatz nach China aufbrach, ging ich buchstäblich ganz weit weg. Die achttausend Kilometer Distanz waren nur mühsam zu überbrücken: Zwei Flüge pro Woche gab es zwischen Frankfurt und Peking, Briefe waren drei bis vier Wochen unterwegs, Telefongespräche wurden handvermittelt, mussten Stunden vorher bestellt werden und kosteten ein Vermögen, Zeitungen kamen mit wochenlanger Verspätung - oder je nach Inhalt auch gar nicht. Die Nabelschnur zur Firmenzentrale war der Lochstreifen-Fernschreiber, die Informationen zum Weltgeschehen lieferte die BBC über Kurzwelle, morgens um sechs Uhr, denn nur um diese Zeit war der Empfang möglich.

Die Zeiten haben sich glücklicherweise geändert! Häufigere, schnellere und preiswertere Flugverbindungen, Mobiltelefone, Satelliten-Empfangsanlagen und natürlich das Internet tragen dazu bei, dass Expatriates sich auch Tausende Kilometer von Zuhause entfernt nicht am ‚Ende der Welt’ fühlen. E-Mail, Chat und Internettelefonie lassen die Verbindung zu Angehörigen und Freunden nicht abreißen, die Tagesschau, der heimische Radiosender oder die Tageszeitung via Internet halten über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden, Weiterbildungsangebote liegen nur einen Mausklick entfernt. Und von der Vorbereitung bis zur Rückkehr gibt es für alle Phasen eines Auslandsaufenthalts spezielle Online-Angebote, die häufig sogar von Expats selbst gestaltet werden und Auslandsmitarbeiter und ihre Familien informieren und unterstützen.

Sobald der Gedanke an eine Auslandszeit im Raum steht, ist das Informationsbedürfnis groß. Ein erster Schritt sollte potentielle Auslandstätige zunächst zum Internetangebot des Auswärtigen Amts führen. Unter www.auswaertiges-amt.de finden sich nämlich nicht nur die Adressen der deutschen Auslandsvertretungen von Ägypten bis Zypern, sondern auch grundlegende Länderinformationen, Sicherheitshinweise und die reisemedizinischen Informationen des amtseigenen Gesundheitsdienstes. Die deutschen Botschaften im Ausland unterhalten darüber hinaus auch eigene Webseiten, die ebenfalls mehr oder weniger ausführliche Informationen für deutsche Auslandstätige bereit halten. Oft finden sich dort neben allgemeinen Hinweisen zu konsularischen Fragen auch weiterführende Links oder spezielle Tipps für Neuankömmlinge. So informiert die 26-seitige Broschüre „Willkommen in Singapur“ der Deutschen Botschaft in Singapur beispielsweise nicht nur über Ärzte, Krankenhäuser und Fragen der Aufenthaltserlaubnis, sondern nennt auch Kinderspielplätze, Supermärkte oder beliebte Treffs, um deutschen Familien das Einleben zu erleichtern.

Eine ausführliche Linksammlung verbirgt sich unter der Webadresse www.germanexpats.com. Diese Seite wird vom Institut für Interkulturelles Management in Rheinbreitbach unterhalten, das viele Auslandsmitarbeiter deutscher Unternehmen auf den Auslandseinsatz vorbereitet. Für viele Länder Asiens, Lateinamerikas und des arabischen Raums sowie der USA lassen sich hier Informationen finden. Interessant ist auch die Idee, Expatriates selbst über ihre Erfahrungen im Ausland berichten zu lassen: Ein „Expat-Storyboard“ bietet die Plattform, die eigenen Erlebnisse mit anderen zu teilen.

Wer sich zunächst über viele praktische Fragen seines geplanten Auslandsaufenthaltes informieren möchte, sollte einen Blick auf die Seite www.justlanded.com werfen. Für 25 Länder haben die Betreiber des Informationsportals Antworten auf grundlegende Fragen zusammengetragen. Wie funktioniert das Gesundheitssystem, was muss ich über den Wohnungsmarkt wissen, wie melde ich Telefon und Internet an: Die Hinweise finden sich hier in englischer – und für einige europäische Länder auch in deutscher – Sprache, in einem Forum können erfahrene Expatriates und Neuankömmlinge miteinander diskutieren.

Größere Unternehmen stellen ihren Auslandsmitarbeitern immer öfter auch gezielte Informationen im firmeneigenen Intranet zusammen. Oder sie ermöglichen ihnen den Zugang zu einem Webportal, das sich speziell auf die Bedürfnisse mobiler Familien eingestellt hat. Unter www.goingglobal.de finden die Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen ein Info-Angebot, das sie bei der Gestaltung der Auslandszeit unterstützt. Checklisten und Adressen an Entsendungsorten erleichtern die Vorbereitung auf den Auslandseinsatz, Informationen zum aktuellen Geschehen in Deutschland sorgen dafür, dass der Kontakt zur Heimat nicht verloren geht, ein Forum ermöglicht den Kontakt zu anderen Expatriates und ein Team aus Ärzten, Psychologen, interkulturellen Trainern und weiteren Experten berät individuell.

Viele Hinweise und Empfehlungen rund um das Leben im Ausland finden sich auch unter der Adresse www.auslandsgemeinde.de . Hinter diesem Internetportal steht die Evangelische Kirche Deutschland, die mit ihren deutschsprachigen Auslandsgemeinden weltweit vertreten ist und fern der Heimat mit ihrem Angebot auch viele Menschen erreicht, die sich in Deutschland vielleicht nicht zur klassischen Gruppe der Kirchgänger zählen würden. Die katholische Kirche unterhält ebenfalls engagierte deutschsprachige Auslandkirchengemeinden in aller Welt, ihre Adressen finden sich unter http://www.kath.de/kasdbk/index_gross.htm .

Eltern, die ihre Kinder mit ins Ausland nehmen, stehen vor besonderen Herausforderungen. Neben praktischen Aspekten wie der Wahl der geeigneten Schule steht vor allem eine Frage im Vordergrund: „Wie schaffen wir es, die Auslandszeit auch für unsere Kinder zu einer rundherum positiven Erfahrung zu machen?“ Praktische Tipps und Hintergrundinformationen zum Thema finden sie auf der Webseite www.ori-and-ricki.net . Die interkulturelle Trainerin Hilly van Swol-Ulbrich wendet sich mit diesem Internetauftritt zum gleichnamigen Buch vor allem an Familien, deren Nachwuchs im Grundschulalter ist und macht Eltern und Kindern Lust auf das Abenteuer Ausland. Detaillierte Informationen über die deutschen Auslandsschulen finden sich unter www.auslandsschulwesen.de.

Eine private Initiative ist die „Interessengemeinschaft Deutschsprachiger im Ausland“. Hier haben sich vor allem multikulturelle Familien mit Wurzeln im deutschsprachigen Raum zusammengeschlossen. Auf ihrer Website www.imausland.org bezeichnen sie sich als " Menschen aus aller Welt, die daran interessiert sind, ihren Kindern Deutsch als zweite Sprache beizubringen, sich in ihrem Gastland aktiv am kulturellen Austausch zu beteiligen und den Draht zu ihrem deutschsprachigen Heimatland nicht zu verlieren". Mit Kontakten, Tipps und Tricks aus eigener Erfahrung möchte man sich gegenseitig unterstützen, an einigen Orten gibt es auch lokale IDA-Kontaktpersonen und persönliche Treffs.

Privates Engagement und die Lust, mit anderen gemeinsam etwas zu bewegen – das steht auch hinter den zahlreichen Clubs und Vereinen, die deutschsprachige Expatriates im Ausland organisieren. Da ist zum Beispiel der Deutsche Club in Shanghai: Was 1997 als lockerer "Kaffeeklatsch im Konsulat" begann, wurde 1998 zum echten Club mit Satzung, Vorstand, Programm und knapp 30 Gründungsmitgliedern. Mittlerweile ist die Zahl der Mitglieder – fast symbolisch für die chinesische „Boomtown“ - auf gut 400 angewachsen. Aktiv sind in erster Linie die “mitausgereisten Partnerinnen“ der zahlreichen Expats, die bei den regelmäßigen Treffs handfeste Tipps austauschen oder in Interessengruppen alte und neue Hobbys verfolgen – ein Blick in die Mitgliederzeitschrift „Postillon“ auf der Website des Clubs (http://www.schanghai.com/deutscherclub ) zeigt das breite Angebot.

Auch die German Speaking Ladies Group in Hong Kong ist längst im Internet vertreten. Die Initiative, die unter dem Titel „Girls just wanna have fun“ im vergangenen Jahr mit einer Riesenparty ihr 25-jähriges Bestehen feierte, bietet ihren Mitgliedern ein abwechslungsreiches Programm, das von der Sportgruppe über Vorträge zur chinesischen Kultur bis zum karitativen Engagement reicht. Der jährlich aktuell aufgelegte, umfangreiche "Leitfaden für Neuankömmlinge" hat sich zu einer "Bibel für Neue" entwickelt, die alle wichtigen Informationen zum Leben und Überleben in Hong Kong enthält. Aber erste Informationen zum Alltag in Südchina finden angehende Expats bereits lange vor der Übersiedelung auch auf der ausführlichen Website der Gruppe unter www.gslg.de

Wen der Arbeitgeber ins ferne Japan schickt, kann ebenfalls schon vor der Ausreise mit Landsleuten in Kontakt treten. „Wir geben Expatriates und ihren Familien Hilfe bei der ersten Orientierung in Tokyo und Yokohama“, sagt Katrin Boltze von der „Starthilfegruppe Tokyo. „Häufig werden wir schon von Deutschland aus angeschrieben, da viele Familien beispielsweise wissen möchten, wo man am besten wohnt, wenn die Kinder auf die Deutsche Schule gehen sollen“. Um erste Fragen unkompliziert beantworten zu können, hat die Starthilfegruppe eine Infobroschüre ins Internet gestellt. Auf der Homepage der Deutschen Schule Tokyo  findet sie sich unter http://www.dsty.ac.jp/kommunikation/starthilfe.htm, dazu gibt es Informationen zu weiteren Aktivitäten der Gruppe. Karin Boltze empfindet Internet und E-Mail als große Erleichterung für ihre Arbeit: „Gerade bei der enormen Zeitverschiebung macht E-Mail es einfacher, Kontakt zu uns aufzunehmen.“

Das Internet hat die Arbeit der Clubs und Initiativen verändert. Auch Angelika Franzen, die seit knapp zwei Jahren die Bangkoker Frauengruppe Drehscheibe leitet, schätzt die Möglichkeiten der neuen Medien – nicht nur im Kontakt mit Interessenten aus Deutschland, sondern auch für das Netzwerk vor Ort: „Vor zwei Jahren wurde unser Newsletter noch mit der Post verschickt, das haben wir inzwischen längst auf E-Mail umgestellt. Alle Frauen sind ‚online’ und Internet und E-Mail sind für uns DIE Kommunikationsmittel. ‚Suche Maid’, ‚Verkaufe Kühlschrank’,Interessante Expat-Website’ - all das und vieles mehr geht über den E-Mail-Verteiler. Und da ich beruflich aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich komme, haben wir die Website mit wöchentlichen Fotos und Artikeln ins Leben gerufen, die sich mittlerweile auch international großer Beliebtheit erfreut.“ Unter www.drehscheibe-bangkok.com finden Interessenten Informationen zur Gruppe und ihren Aktivitäten und die unkomplizierte Möglichkeit zur Kontaktaufnahme.

Deutscher Club Shanghai, German Speaking Ladies in Hong Kong, Starthilfegruppe in Tokyo oder die Drehscheibe in Bangkok – sie alle sind Beispiele, wie Expatriates sich mit Spaß und Engagement in ihren Auslandsalltag einbringen und anderen Menschen die ersten Schritte im Ausland erleichtern. Mit der Heimat in Kontakt bleiben, neue Kontakte knüpfen, sich mit anderen vernetzen – gäbe es das Internet nicht längst, es müsste für mobile Familien erfunden werden!

Autorin: Brigitte Hild

PersonalManager International
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