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Jung, dynamisch, auf Achse - moderne Jobnomaden

Personal.Manager International 02/2006,
Datakontext-Verlag
Autorin: Brigitte Hild

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Sie sind gut ausgebildet, mobil und ungebunden - und auf der Suche nach neuen Herausforderungen sind Länder- und Kulturgrenzen für sie kein Hindernis: Die jungen Jobnomaden gelten als Motoren der Globalisierung. Ist der rastlose Lebensstil ein Modell für die Zukunft?

Neben den klassischen Expatriates, die für einige Jahre ins Ausland gehen und das Budget ihres Arbeitgebers leicht mit dem dreifachen der inländischen Gehaltskosten belasten, rückt seit einer Weile eine neue Mitarbeitergruppe in das Interesse weltweit operierender Unternehmen: Junge Mitarbeiter, örtlich ungebunden und so interessiert an internationaler Erfahrung, dass sie auf teure Expat-Packages verzichten und mit lokalen Verträgen und abgespeckten Konditionen im Ausland ihr Bestes geben. Ist die Aufgabe beendet, das Projekt abgeschlossen, sind die Koffer schnell gepackt - die nächste Herausforderung wartet irgendwo anders auf der Welt.


Global Souls - Modell der Zukunft?
Flexibel, motiviert und anspruchslos - die jungen Mobilen gelten als Wunschkandidaten vieler Unternehmen, der "Spiegel" sah kürzlich gar "unter den Weltkonzernen den Kampf um die besten Köpfe mit der größten Mobilität entbrannt". Die Journalistin Gundula Englisch geht in ihrem Buch "Jobnomaden" noch einen Schritt weiter und prophezeit uns eine Zukunft mit einer völlig flexiblen Arbeits- und Lebenswelt. Und auch der Journalist Pico Iyer, als Sohn indischer Eltern in England und den USA aufgewachsen und  beständig zwischen Tokio, Kalifornien, Großbritannien und weiteren temporären Wohnorten pendelnd, sieht die Menschen der Zukunft als "Global Souls", die letztendlich von Mobilität und Freizügigkeit profitieren. Doch sind wir wirklich für das Nomadenleben gemacht?


Einsamkeit unter schillernder Oberfläche
Zweifel sind erlaubt. Die Herausforderung liegt schließlich nicht nur in der immer neuen beruflichen Konstellation, sondern vor allem auch im privaten Umfeld. Das hat auch Margaret Malewski erfahren. In Montreal geboren und aufgewachsen, ging die Kanadierin während des Studiums nach Polen, arbeite anschließend für den weltweit agierenden Konzern Procter & Gamble in Genf und fasste ihre Erfahrungen in ihrem 2005 erschienenen Ratgeber "GenExpats", zusammen, der einer neuen Expat-Generation mit praktischen Tipps dabei helfen will, eine gesunde Balance zwischen Karriereerfordernissen und erfüllten Privatleben zu finden. Auf den ersten Blick, so Malewskis Erfahrung, haben junge und erfolgreiche Expats tolle Jobs, viele Freunde und ein beneidenswert spannendes Leben. Doch kratzt man ein wenig an der schillernden Fassade, kommt ein anderes Bild an die Oberfläche: Da fühlt sich so mancher einsam und ohne tiefere Bindungen und spürt trotz der scheinbar mühelosen Wechsel zwischen Städten und Kontinenten eine tiefe Sehnsucht nach Kontinuität und Verwurzelung.


Sehnsucht nach Privatleben
Berufliche Mobilität hat einen enormen Einfluss auf die private Zufriedenheit. Das bestätigt auch eine Studie zur Lebenssituation mobiler Menschen, für die der Soziologe Norbert Schneider von der Universität Mainz 800 Berufsmobile, vom Fernpendler bis zum Wochenendheimfahrer, befragte. Am erfolgreichsten bewältigte die Herausforderungen die Gruppe der "Umzugsmobilen", die für den Beruf einen Fernumzug mit der ganzen Familie in Kauf nahmen.

Doch viele der jungen Mobilen haben gerade damit Pech, denn das Privatleben der meisten Jobnomaden funktioniert nur dann reibungslos, wenn es nach konservativem Muster gestrickt ist: Einer hat den Job, der andere – meist ist es eine "Sie" – zieht problemlos mit um. Und daran hapert es heute immer öfter. Wie bei Bernhard Terjong (Name geändert). Der 42jährige lebt in Manila, alleine. Seit 14 Jahren arbeitet der Manager inzwischen im Ausland, Stationen waren unter anderem Peking, Addis Abeba und Almaty. Natürlich hatte er Beziehungen, aber wenn es dann wieder ans Umziehen ging, stellte sich die Frage, ob die Partnerschaft tragfähig genug für den Wechsel ist. Bisher fiel die Antwort negativ aus, noch trägt es Terjong gelassen. Doch wenn er beim Heimaturlaub in Deutschland Geschwister oder alte Freunde besucht, die Hochzeit und Kinderwagenschieben längst hinter sich haben, gibt es ihm schon manchmal einen Stich. Und er ahnt auch: "Irgendwann in den nächsten Jahren muss ich den Absprung nach Deutschland schaffen, habe ich die 50 mal erreicht, kann ich nur noch im Ausland bleiben".


Alternative Fernbeziehung
Haben beide Partner berufliche Ambitionen, bleibt häufig nur die Fernbeziehung, wie Anette und Markus Hallek (Namen geändert) sie seit gut vier Jahren leben. Kennen gelernt hatten sich die beiden Wissenschaftler schon während des Biologie-Studiums in Tübingen. Während Markus für seine Promotion nach Heidelberg ging, nahm Anette nach dem Doktortitel einen gut dotierten Job in einem kalifornischen Labor an. Zwei Mails pro Tag und längere Telefonate am Wochenende mussten genügen, um die Beziehung lebendig zu halten. Im Sommer kam Anette für einige Wochen nach Deutschland, über Weihnachten und Silvester flog Markus in die USA. Im vorletzten Urlaub haben beide geheiratet, seit Januar ist Markus Hallek seiner Frau zumindest etwas näher gerückt: Ein Pharmakonzern hat ihn mit einem Zweijahresvertrag nach Boston entsandt. Doch noch immer liegen ein Kontinent und vier Stunden Zeitverschiebung zwischen den beiden - zu viel für ein gemeinsames Familienleben. Den Wunsch nach einem Kind hat das Paar auf eine unbestimmte Zukunft vertagt.


Ohne Bindung und Rückhalt droht der Burn-out 
Wer ohne oder weitab vom Lebenspartner sein Leben in einer neuen Stadt neu einrichtet, muss berufliche und kulturelle Herausforderungen alleine schultern. Da ist niemand, für den sich ein früher Feierabend lohnt. Keiner, der die Höhen und Tiefen der Anfangsphase in einem neuen Umfeld mit trägt, die Wohnungseinrichtung übernimmt oder für soziale Kontakte sorgt. Traditionelle Kontaktbörsen wie Auslandsschulen oder internationale Kindergärten fallen für Singles ebenfalls flach. Viele stürzen sich um so verbissener in die Arbeit, die Karriere wird zum alleinigen Lebensinhalt. So lange das die Kräfte nicht übersteigt, ist alles in Ordnung, aber auf Dauer rächt sich die einseitige Lebensführung manches karrierebewussten Jungmanagers durch einen veritablen Burn-out. Die Kehrseite eines auf den ersten Blick schillernden Lebensstils, der auf den Hochglanzseiten der Karrieremagazine noch immer als großes Abenteuer dargestellt wird.


Sehnsucht nach Sesshaftigkeit 
Auch wenn die Zahl der Jobnomaden in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, sind Lebensläufe wie die von Bernhard Terjong oder Anette und Markus Hallek die Ausnahme: Die meisten Deutschen, das hat eine Studie des BAT Freizeitforschungsinstituts aus dem Jahr 2003 ergeben, lieben es sesshaft: Fast Dreiviertel aller Befragten möchte gerne so arbeiten wie ihre Eltern: In Festanstellung, mit möglichst geregeltem Feierabend und ohne häufige Ortswechsel. Die Jungen sind da keine Ausnahme: Gerade einmal 33 Prozent der 18- bis 34-Jährigen kann sich für flexible Arbeitsformen und Mobilität im Berufsleben begeistern. Eine Umfrage des Recruitingdienstleisters Access aus dem Jahr 2005 bestätigt diesen Trend: Von über 3000 befragten Absolventen und Berufseinsteigern bezeichneten gerade einmal 26 Prozent die Chance auf einen Auslandsaufenthalt als wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Arbeitgebers - auch wenn diese sich das ganz anders wünschen: 38,6 Prozent der deutschen Unternehmen wollen 2006 mehr Mitarbeiter ins Ausland schicken, wie das Handelsblatt im Herbst 2005 in einer Umfrage ermittelte.

Genügend Handlungsbedarf also für Unternehmen, trotz Kostendrucks nach Wegen zu suchen, um die Auslandstätigkeiten auch auf lange Sicht attraktiv zu erhalten und jungen Talenten, die nicht in das klassische Expat-Muster passen, maßgeschneiderte Unterstützung anzubieten – damit der Burn-out keine Chance hat.

Autorin: Brigitte Hild


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