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Der Schlüssel zu Land und Leuten - Die Landessprache für Expatriates

Personal.Manager International 03/2005, Datakontext Verlag
Autorin: Brigitte Hild

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Für den Arbeitgeber in ein anderes Land: Das bedeutet für Expatriates neben der Begegnung mit der neuen Kultur auch die Hürde einer fremden Sprache. Wie viel Sprachkenntnisse müssen sein? Wie lernt man das Notwendige am besten? Und wie finden Expatriates die passende Lösung für ihre individuelle Situation?

Für die einen ist es einer der großen Vorteile des Auslandslebens, für andere gleicht es einem Alptraum: Die Hürde der fremden Sprache. Es gibt sie, die wahren Sprachtalente, die sich mit Wonne der Herausforderung stellen, sich möglichst schnell fließend in der neuen Landessprache auszudrücken. Zu ihnen gehört auch Karin Merkers. Ganz gleich ob São Paulo, Athen oder Stockholm, an jedem der Einsatzorte ihres Manns hat sie sich mit viel Energie die jeweilige Sprache erschlossen. Die Vorteile liegen für sie auf der Hand: "Mit Sprachkenntnissen bekomme ich einfach viel mehr mit. Ich kann mich im Alltag ganz anders bewegen, finde auch leichter Kontakt außerhalb der Expat-Community und außerdem macht es mir Spaß."

Martina Schaber sieht das ganz anders: "Warum soll ich mich mühsam mit Schwedisch quälen, ich komme hier prima mit meinem Englisch zurecht." Für Martina Schaber ist Stockholm der vierte Auslandseinsatz in Folge, ihr Mann Paul arbeitet für das gleiche Unternehmen wie der Partner von Karin Merkers. Zuvor war das Paar in den USA, in Abu Dhabi und in Hongkong stationiert. Die Kinder besuchen die Internationale Schule, ihr soziales Umfeld finden die Schabers dort und im Kreis anderer Expats. "Wir wissen genau, dass wir Stockholm in drei, spätestens vier Jahren wieder verlassen", sagt Martina Schaber, "Schwedisch werde ich dann nie wieder brauchen. Warum sollte ich also so viel Zeit, Energie und Geld investieren, um etwas zu lernen, das mir keinen Vorteil bringt?".

Zwei Frauen, zwei gegensätzliche Ansichten. Fest steht: Mit Deutsch alleine kommt man höchstens in unseren Nachbarländern zurecht. Also müssen zumindest die Englischkenntnisse ausreichen, um den Alltag in einem fremden Land zu bewältigen. Doch wer dem Gastland, seiner Kultur und seinen Menschen wirklich näher kommen möchte, kommt an der Landessprache nicht vorbei.

Das haben auch die meisten Unternehmen erkannt und schnüren ihren Auslandsmitarbeitern ein Entsendungspaket, das zumindest einen Grundkurs in der neuen Sprache beinhaltet. Doch die mitausreisenden Familienmitglieder bleiben noch viel zu häufig sich selbst überlassen, wenn es darum geht, sich das neue Idiom zu erschließen. Dabei sind es gerade Partner bzw. Partnerin und Kinder, die im Ausland viel stärker mit dem Alltag konfrontiert werden als der Expat selbst. In der Firma dominieren häufig Deutsch oder Englisch. Die Familie aber braucht Sprachkenntnisse in der Schule, beim Einkauf oder im Umgang mit Handwerkern. Doch was ist wirklich nötig? Und wie geht man das Lernen am Sinnvollsten an?

Grundlage aller Überlegungen ist natürlich das Land, in dem der Auslandsmitarbeiter einige Jahre leben soll. Welche Sprache dominiert in der Firma? Wie lässt sich der Alltag bewältigen? Steht z.B. eine Versetzung nach Shanghai an, wird kaum jemand von einem Expatriate erwarten, dass er verhandlungssicheres Chinesisch spricht. Geht es dagegen nach Frankreich, stößt jeder auf heftige Widerstände, der darauf besteht, sich auf Deutsch oder Englisch durch den Alltag zu bewegen. Für den Aufenthalt in einem nordafrikanischen Land wie Tunesien oder Marokko macht es oft mehr Sinn, gut Französisch zu lernen, als sich mit dem ungleich schwereren Arabisch zu bemühen. Angehende Expatriates sollten daher vor der Ausreise mit Menschen sprechen, die aus ihrem zukünftigen Gastland kommen oder dort für einige Zeit gewohnt haben und sie nach ihren Erfahrungen befragen. Doch Achtung: Ein wenig Vorsicht scheint immer dann angebracht, wenn erfahrene Expats im Brustton der Überzeugung erklären, dass man überhaupt keine Kenntnisse in der Landessprache benötigt. Einige erste Sätze in der fremden Sprache, so holprig sie einem Neuankömmling auch von den Lippen kommen, signalisieren den Menschen im Gastland Interesse und Sympathie für Land und Leute. Die Gastgeber werden die Bemühungen anerkennen und honorieren - so manche mit liebenswertem Akzent vorgebrachte Grußformel wirkt wie einTüröffner.

Im nächsten Schritt sollten Ausreisende sich über ihre individuelle Situation Gedanken machen:
  • Wo liegen die persönlichen Ziele?
    Möchten die Newcomer im Ausland möglichst viel über Land und Leute erfahren? Reisen? Plant der begleitende Partner/die begleitende Partnerin, sich vor Ort um Arbeit zu bemühen? Dann sind Sprachkenntnisse natürlich wichtiger, als wenn sie sich überwiegend im Alltag einer internationalen Expat-Community bewegen werden.

  • Was steht an Zeit und finanziellen Mitteln zur Verfügung?
    Wie viel Zeit kann für den Unterricht und das unerlässliche Üben realistischerweise eingeplant werden? Was darf der Sprachkurs kosten? Denken Sie dabei auch an die Ausgaben für eine eventuelle Kinderbetreuung. 

  • Wie sind die persönlichen Voraussetzungen?
    Mag der angehende Expatriate Sprachen? Fällt ihm das Lernen leicht? Ist er/sie diszipliniert genug, um mit Büchern, CDs oder PC im stillen Kämmerlein zu arbeiten? Oder brauchen es die Anregung und den Ansporn durch eine Gruppe?
Die Klärung dieser Fragen hilft angehenden Expatriates, eine Unterrichtsform zu finden, die ihren persönlichen Bedürfnissen am besten entgegen kommt.

Volkshochschule, Kulturinstitute:
Kurse an der örtlichen Volkshochschule oder dem Kulturinstitut eines Landes (z.B. British Council) sind die preisgünstigste Alternative beim Sprachenerwerb. Allerdings sind diese Kurse in der Regel für einen längeren Zeitraum angelegt. Mit zwei Wochenstunden Unterricht ist das Tempo zwar passend für Menschen, die in der Freizeit eine Sprache erlernen möchten. Für Expats mit einem baldigen Ausreisedatum vor Augen geht es hier allerdings meist viel zu bedächtig voran.

Private Sprachschulen:
Private Sprachschulen offerieren eine wesentlich größere Bandbreite an Unterrichtsformen. Einzeltraining, Wochenend-Kurse, Gruppenunterricht und Crashkurse werden angeboten. Einige Schulen haben sich auf die sprachliche Vorbereitung von Expatriates eingestellt und kombinieren Sprachunterricht mit kulturellem Know-how. Die Preisspanne bei privaten Anbietern ist groß, daher lohnt es sich, eine Reihe von Vergleichsangeboten einzuholen. Ob der gebotene Unterrichtsstil zusagt, erfahren potentielle Schüler am besten in einer kostenlosen Probestunde.

Selbststudium:
Neben den traditionellen Kassetten- bzw. CD-Sprachkursen setzen sich in der letzten Zeit immer mehr Computer-Lernprogramme durch. Auch im Internet sind mittlerweile Online-Sprachkurse möglich. Preisspanne und Qualität variieren bei den Selbstlernprogrammen sehr. Bevor man ein Programm kauft, empfiehlt sich eine ausgiebige Beratung. Viele öffentliche Büchereien leihen auch Sprachlern-Programme aus, so dass sich hier erst einmal antesten lässt, ob dem Ausreisenden das Programm und die Lernweise liegen. Der Vorteil aller Programme: Die Schüler sind zeitlich absolut unabhängig, können Sonntagsnachmittags mal ein Stündchen einschieben oder beim Autofahren Vokabeln hören. Wer mit dieser Lernform liebäugelt, sollte sich vorab jedoch ehrlich fragen, ob die Motivation groß genug ist, dann auch wirklich konsequent am Ball zu bleiben.

Lernen im Gastland:
Ist die Zeit vor der Ausreise knapp, reicht es für viele Expats oft nicht mehr zur Beschäftigung mit der neuen Sprache. Und der Unterricht im Land selbst hat in der Tat eine Reihe von Vorteilen:
  • Die fremdsprachige Umgebung macht es leichter, sich in die neue Sprache einzuhören.
  • Gelerntes kann sofort angewandt werden, das bringt schnelle Erfolgserlebnisse.
  • Mitausreisende Partner/Partnerinnen haben im Ausland oft mehr Zeit zur Verfügung als zu Hause, können eventuell die Kinderbetreuung leichter organisieren.
  • In Gruppenkursen mit anderen Expats, wie sie beispielsweise auch von manchen Deutschen Schulen angeboten werden, knüpfen Expats schnell Kontakte, und der Alltag vor Ort motiviert, auch wirklich am Ball zu bleiben.
Doch auch, wer erst im Ausland mit "richtigem" Unterricht beginnen will, sollte versuchen, vorab zumindest einige wichtige Phrasen zu lernen, um sich in den ersten Tagen nicht vollkommen sprachlos zu fühlen. Sehr hilfreich hierbei: Kleine Reisewörterbücher (Langenscheidts, Pons u.a.), die in jede Tasche passen und neben einem Grundvokabular die wichtigsten Redewendungen für viele Situationen mit Aussprache-Regeln vorstellen.

Die folgenden Tipps helfen auf dem Weg zum Erfolg:
  • Üben, üben, üben,
    ohne Scheu vor Fehlern! Dies ist der wichtigste Tipp. Eine Sprache lernt man nur dann wirklich gut, wenn man Perfektheitsanspruch und Grammatikbuch ab und zu beiseite legt und sich zu sprechen traut. Das beste Motto für alle Sprachschüler: Nobody is perfect.
  • Genügend Zeit einplanen:
    Etwa drei Stunden Unterricht pro Woche und eine kurze tägliche Übungsphase sollten es schon sein.
  • Sich der Sprache öffnen:
    Anfänger sollten jede Gelegenheit nutzen, sich mit der fremden Sprache zu beschäftigen. Radio hören, fernsehen, in Magazinen blättern, ins Kino gehen, im Internet surfen. Auch wenn man zunächst wenig versteht, hilft das, sich in die neue Sprache einzufinden. Zu Anfang bestens geeignet sind - auch für Erwachsene - Kinderbücher in der neuen Sprache.
  • Partner suchen:
    Mit einem Lernpartner macht das Üben mehr Spaß, man motiviert sich gegenseitig.
  • Mit dem Wörterbuch arbeiten:
    Mini-Wörterbuch und Notizbuch sollten Expatriates in den ersten Monaten immer dabei haben. Denn Vokabeln, die man in einer aktuellen Situation nachschlägt, prägen sich besonders gut ein.
Egal, wohin es Auslandstätige und ihre Familien in die Welt verschlägt: Das Erlernen von sprachlichen Grundkenntnissen zahlt sich aus. Dabei geht es nicht nur darum, im Büro mit ein paar persönlichen Worten den Grundstein für ein positives Arbeitsklima zu legen oder einfache Alltagssituationen, wie den Einkauf oder die Bestellung im Restaurant, gelassen zu bewältigen. Die Sprache ist auch der Schlüssel zur Kultur eines Landes. Expatriates werden viel eher hinter die Kulissen sehen, Land und Leute besser verstehen, wenn sie sich ihnen auch sprachlich annähern. Und so mancher Delegierte hat im Ausland seine Leidenschaft für fremde Sprachen entdeckt!

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