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Spannender Schritt in die Fremde - Herausforderung internationaler Mitarbeitereinsatz

IHK WirtschaftsForum 04/05, Frankfurt/Main
Autorin: Brigitte Hild

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Die Entscheidung für das Engagement in Vietnam kam überraschend: Auf Empfehlung eines ehemaligen Mitarbeiters hatte sich der Vorstand eines Software-Anbieters in Ho-Chi-Minh-Stadt umgesehen. Kurzerhand beschloss er, das investitionsfreundliche Klima zu nutzen, um einen Teil seiner Spezial-Software künftig in Südostasien programmieren zu lassen. Eine Mitarbeiterin aus dem Stammhaus wurde auserkoren, vor Ort Aufbauarbeit zu leisten. Somit stand dem Unternehmen der erste internationale Mitarbeitereinsatz ins Haus.

Ist bei Dienstreisen, die deutsche Finanzbehörden bis zu einem Zeitraum von maximal drei Monaten anerkennen, lediglich die Frage eventueller Visa zu klären, so ist die Planung eines längeren Einsatzes von Auslandsmitarbeitern, im Fachjargon häufig als Expatriates oder Expats bezeichnet, wesentlich komplexer. Böse Zungen behaupten gar, die Durchführung gleiche der berühmten Quadratur des Kreises: Fachabteilung, Personalbereich, lokales Management im Ausland und Expatriate - sie alle haben unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen, die darüber hinaus mit rechtlichen Bestimmungen und komplizierten länderspezifischen Voraussetzungen in Einklang gebracht werden müssen.

Hilfe bei der Orientierung im Vorschriften-Dschungel und tatkräftige Unterstützung bei praktischen Fragen versprechen die Anbieter von Beratungs- und Serviceleistungen für Expatriates, die sich weltweit in den vergangenen Jahren einen festen Platz erobert haben. Sie werden überwiegend im Auftrag von entsendenden Unternehmen tätig, weil eine zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft mehr internationale Mitarbeitereinsätze forciert. Dabei hat sich der Kostendruck für die Firmen verschärft. Längst gehören finanziell großzügige Rundum-sorglos-Packages für Expats der Vergangenheit an. Zugleich aber steigt das Bewusstsein, dass eine gute Vorbereitung und Unterstützung der Auslandsmitarbeiter enorm dazu beitragen, den Erfolg eines Auslandseinsatzes zu sichern.

Hohe Priorität räumen die Firmen naturgemäß dem Bereich Gehaltsberechnung, Sozialversicherung, Steuern und Arbeitsrecht ein. Verständlich, denn die einschlägigen Vorschriften sind je nach Land so komplex, dass schon das Übersehen einer Kleinigkeit ungeahnte und kaum mehr zu korrigierende finanzielle oder juristische Folgen für Expat oder Unternehmen haben kann. Eine gute Beratung ist daher unerlässlich.

Im Bereich der Krankenversicherung steigen verstärkt private Anbieter in das Geschäft mit Expatriates ein. Häufig wird die reine Versicherungsleistung durch Zusatzservices wie 24-Stunden-Notfall-Telefon, Rückholservice, Impfberatung oder eigene Vertragsärzte oder -kliniken ergänzt. Ebenfalls ein komplexes Thema ist die Beantragung von Visum und Arbeitserlaubnis. Erste Anlaufstelle ist hier die Botschaft des Entsendungslandes. Aber auch spezialisierte Agenturen und Anbieter von Relocation-Dienstleistungen beraten Unternehmen und Expats oder nehmen die Beantragung auf Wunsch ganz in ihre Hand.

Während die entsendenden Unternehmen den Hard Facts im Rahmen ihres Expat-Managements größte Aufmerksamkeit widmen, benennen Expatriates das familiäre Umfeld sowie Integration und Reintegration als größte Problemfelder, wie eine im Juli 2003 veröffentlichte Studie¹ der Unternehmensberatung Ernst & Young bestätigte. Kein Wunder, schließlich leben 80 Prozent aller Expats in einer festen Partnerschaft und gehen mit Familie auf die Reise. Die Firmen wissen: Nur wenn im familiären Umfeld die Zeichen nicht auf Sturm stehen, hat der entsandte Mitarbeiter den Rücken frei, um sich mit aller Kraft für seine berufliche Aufgabe einzusetzen. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, so genannten High Potentials eine Zeit im Ausland überhaupt erst schmackhaft zu machen. So zeigte eine groß angelegte Untersuchung von PriceWaterhouseCoopers: Wenn potenzielle Expats eine Entsendung ablehnen, sind in gut drei Viertel aller Fälle familiäre Gründe ausschlaggebend².

Zu den bekanntesten Dienstleistungen bei Personaltransfers gehören die Relocation Services. Der Begriff ist nicht geschützt, die Anbieter reichen von international arbeitenden Agenturen bis hin zu engagierten Ein-Mann-Betrieben. Zu den klassischen Bausteinen der Relocation zählen Betreuung bei der Wohnungssuche, Hilfe bei der Auswahl von Schule oder Kindergarten und die Unterstützung bei allen mit dem Umzug verbundenen Formalitäten, wobei das Leistungsspektrum je nach Anbieter variiert. So gibt es Relocator, die ihren Kunden auch Sprachkurse, Übersetzungsdienste und Interkulturelle Trainings anbieten oder nach dem Umzug einige Monate für alle Fragen der Expatfamilie zur Verfügung stehen.

Bei allen Auslandsentsendungen ist eine interkulturelle Vorbereitung unerlässlich. Die Bandbreite reicht von mehrwöchigen Vorbereitungskursen bis zum individuellen Einzeltraining. Wichtig ist neben sorgfältig ausgewählter Methodik und Kompetenz der Trainer vor allem, dass im Seminar auch die Auswirkungen des Alltags im Ausland auf Partnerschaft und Familienleben erörtert werden. Daher sollten die mitausreisenden Partner und größere Kinder immer in eine interkulturelle Vorbereitung mit einbezogen werden. Eine sinnvolle Ergänzung des Pre-Departure-Trainings bietet einige Wochen nach der Ankunft ein Follow-up, das häufig als persönliches Coaching oder in Form eines E-Learning-Moduls angeboten wird.

Auch wenn im Job in vielen Fällen Englisch genügt: Kenntnisse der Landessprache ermöglichen einen tieferen Zugang zu Land und Leuten. An vielen Entsendungsorten haben sich Sprachschulen auf die Betreuung von Expatriates spezialisiert. Ergänzend zum Sprachunterricht vermitteln sie Wissenswertes über das Leben im Gastland, unterrichten und begleiten in Alltagssituationen, wie zum Beispiel beim Einkauf, und organisieren Begegnungen zwischen Expats und Einheimischen.

Die traditionelle Einverdiener-Ehe gehört der Vergangenheit an. Vorbei die Zeiten, in denen „Er“ im Ausland Karriere machte und „Sie“ ihm willig folgte. Die Dual Career-Problematik spielt bei 59 Prozent der Ablehnungen von Auslandsangeboten eine Rolle. Junge und gut ausgebildete Frauen überlegen heute sehr genau, ob sie die eigene Berufstätigkeit dem Partner zuliebe für ein Auslandsabenteuer unterbrechen. Viele Arbeitgeber unterstützen daher mitausreisende Partner in Fragen der Bewerbung, bei der Erlangung einer Arbeitserlaubnis oder bei der Suche nach Alternativen zu einem Job im gewohnten Umfeld oder sie schalten spezielle Dienstleister ein.

Die meisten Unterstützungsangebote für Expats konzentrieren sich auf den Zeitpunkt der Ausreise. Ist die Familie am Entsendungsort angekommen, sind die Umzugskisten ausgepackt, beginnt jedoch die eigentliche Herausforderung: Alltag und Job in einer fremden Umgebung zu meistern. In dieser Situation ist es hilfreich, einen Ansprechpartner für alle praktischen und persönlichen Fragen zu haben, bevor Irritationen sich zu Problemen auswachsen. Die deutschen Auslandshandelskammern vor Ort und Expatriate-Clubs bieten mit Veranstaltungen und informativen Webseiten erste Hilfestellung. Oft aber sind Spezialisten gefragt, die mit der speziellen Lebenssituation von Expatriates vertraut sind. Im englischsprachigen Raum haben sich seit langem Anbieter von sogenannten Employee Assistance Programs etabliert. Und inzwischen setzt sich auch in deutschen Unternehmen die Erkenntnis durch, dass eine gute, kontinuierliche Unterstützung der Auslandsmitarbeiter nicht nur unkompliziert und kostengünstig möglich ist, sondern zudem den Firmeninteressen dient.
Schließlich lindert eine auf die Bedürfnisse entsandter Familien zugeschnittene Begleitung durch vertraulich arbeitende Spezialisten die Belastungen einer Auslandsentsendung merklich und gibt dem Expatriate die Chance, seine Energien, seine Kreativität und sein Know-how tatsächlich dafür einzusetzen, wozu er den Schritt in die Fremde gewagt hat: Sein Unternehmen erfolgreich zu vertreten.

¹ Studie „Auslandsentsendungen auf dem Prüfstand“, Ernst & Young, Juli 2003, Bestellung und Kurzversion online unter http://www.ernst-young.com (Stichwort „Germany“ / „Studien“)

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