Sie gelten als anspruchsvoll und abgehoben: Auslandsrückkehrer
sind die Sorgenkinder manches Unternehmens. Doch mit einer guten
Planung können Firmen ihren Expatriates den Wiedereinstieg erleichtern
– und von den Erfahrungen der Entsandten profitieren.
Alles schien perfekt: Nach drei Jahren in Korea kehrte Alexander
Medenbacher (Name geändert) im Sommer 2003 nach Österreich zurück. Der
Vertriebsprofi freute sich auf neue Aufgaben in der Wiener
Firmenzentrale. Er galt er als Idealbesetzung für Führungsaufgaben im
internationalen Marketing. Auch für die Familie hätte der Zeitpunkt
kaum besser sein können: Die Zwillinge Sebastian und Jonathan sollten
im September eingeschult werden, Ehefrau Susanne vermisste ihre Arbeit
als Buchhändlerin.
Doch bald nach der Rückkehr erste Irritationen auf: Medenbacher fühlte
sich in seinem Unternehmen fremd. Organisatorische Veränderungen und
neue Seilschaften behinderten die Orientierung, seine Asien-Kontakte
interessierten niemanden. Hatte der dynamische Generalist in Seoul viel
Handlungsspielraum, schienen es in Wien zahlreiche Bedenkenträger nur
darauf abgesehen zu haben, ihn auszubremsen. Monate nach der Heimkehr
fühlte er sich im Dickicht der Konzernhierarchie verloren – und
reagierte, wie er es im Ausland immer getan hatte, schnell und
konsequent: Er kündigte und suchte bei einem mittelständischen
Unternehmen den Neuanfang.
Alexander Medenbachers Geschichte ist kein Einzelfall. Eine
Untersuchung der Unternehmensberatung Ernst & Young aus dem Jahr
2003 belegt, dass bei der Integration von Auslandsrückkehrern einiges
im Argen liegt. 60 Prozent der 135 befragten ehemaligen Expatriates
gaben dabei an, dass die Reintegration in das heimische Unternehmen
"schlecht" oder "sehr schlecht" vorbereitet war, 50 Prozent
betrachteten sie als größtes Problem der Entsendung.
Auch die Unternehmen selbst räumen Defizite in ihrer Entsende-Praxis
ein, so das Ergebnis einer Untersuchung, welche die Fachhochschule
Wiesbaden im Frühjahr 2004 vorlegte. Die Forscher befragten im Vorjahr
22 mittelständische und große Unternehmen aus Deutschland nach ihren
Erfahrungen bei der Reintegration von Expatriates. Die Personalmanager
bemängelten selbst, dass Entsendungsregelungen zu allgemein seien (32
Prozent) und eine spezielle Reintegrationsplanung für Expatriates fehle
(24 Prozent).
Wie kommt es, dass High-Potentials bei der Wiedereingliederung
scheitern? Zum einen sind Auslandseinsätze längst kein sicheres
Karrieresprungbrett mehr.
- Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation haben Unternehmen weniger Rückkehrpositionen zu besetzen.
- Nicht alle planen die Rückkehr frühzeitig mit den Entsandten
- Die Strukturen in Unternehmen verändern sich rasant. Der Expat
kehrt oft in einen fusionierten internationalen Konzern zurück, der ihm
fremd ist.
- Bei der Vergabe der Stelle geraten Expats leicht ins Hintertreffen, da sie in der Firmenzentrale nicht „präsent“ sind.
Ist trotz dieser Hindernisse eine Position gefunden, warten weitere Hürden.
- Die meisten Expats verfügen im Ausland über große
Handlungsspielräume, sie entwickeln sich zu Generalisten. Anschließend
fällt es ihnen schwer, sich im Stammhaus als Fachspezialist in ein Team
zu integrieren.
- Kollegen oder Vorgesetzte können sich oft nicht in den
Rückkehrer hineinversetzen, unterstellen schlimmstenfalls
Realitätsferne und Arroganz.
Auch im privaten Umfeld fällt die Reintegration oft schwer.
- Freunde und Verwandte erwarten, dass die Heimkehrer sich zuhause sofort nahtlos in den Alltag integrieren.
- Entsandte, die mit der Armut der Dritte-Welt-Ländern
konfrontiert wurden, können viele Sorgen der Daheimgebliebenen nicht
mehr nachvollziehen, sie fühlen sich fremd im eigenen Land.
- Häufig bedeutet die Rückkehr eine Beschränkung der finanziellen Möglichkeiten.
- Die Partner von Entsandten können nach der Rückkehr Probleme haben, sich beruflich neu zu orientieren.
Mitarbeiter, die nach der Rückkehr mit beruflichen und privaten
Problemen kämpfen müssen, sind in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt und schnell bereit, ihr Glück bei anderen Arbeitgebern zu
suchen. Außerdem führen negative Reintegrationsbeispiele dazu, dass
weniger Kollegen bereits sind, ins Ausland zu gehen. Was können
Unternehmen tun?
- Vorgesetzte können mit den Kandidaten die Ziele des Einsatzes
besprechen und übertriebene Erwartungen an das "Karrieresprungbrett
Ausland" dämpfen.
- Die Zentrale sollte während der Entsendung den Kontakt zum Expat halten, zum Beispiel über einen Mentor.
- Spätestens ein Jahr vor der geplanten Rückkehr sollten Expat,
HR-Bereich, Mentor und Fachvorgesetzter Einsatzalternativen
diskutieren.
- Auch bei der Heimkehr brauchen Expatriates organisatorische
Hilfe – zum Beispiel bei der Suche nach Wohnung, Schulen oder
Kindergartenplätzen.
- Die Unternehmen sollten anerkennen, dass Expatriates ihr
Leben auf dem Kopf stellen, um für die Firma im Ausland zu arbeiten.
Schon kleine Gesten haben eine enorme Wirkung: Die Begrüßung bei der
Heimkehr und vor allem ein offen ausgesprochenes "Danke" sind Signale,
die den Rückkehrern das nötige Quäntchen Sicherheit geben, dass der
Schritt in die Fremde auch im Nachhinein der richtige war.
- Nach einigen Wochen sollte das HR-Management ein
Rückkehr-Gespräch mit Expats und Partner(in) führen. So erfährt das
Unternehmen aus erster Hand, wie der Einsatz gelaufen ist und wo
Verbesserungspotenzial liegt. Die Rückkehrer spüren, dass sie ernst
genommen werden. Größere Unternehmen, die regelmäßig Rückkehrer
integrieren, sollten über die Einführung von Rückkehrer-Seminaren
nachdenken.
Wie alle Phasen der Auslandsbeschäftigung fordert auch die
Reintegration vorausschauende Planung, gute Kommunikation und
Offenheit. Dann stehen die Chancen gut, dass eine erfolgreiche
Entsendung nicht im Nachhinein zu einem Misserfolg wird.
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