"Es kommt niemand vorzeitig aus dem Ausland zurück, weil er nicht
das richtige Haus gefunden hat oder weil die steuerlichen Fragen ihn zu
sehr bedrängen, sondern weil er mit den emotionalen Herausforderungen
alleine gelassen wird." Für diesen Satz erntete Paul White,
verantwortlich für die Global Expatriate Policy beim amerikanischen
Energie-Multi ConocoPhillips, während einer Podiumsdiskussion der
diesjährigen Konferenz "Families in Global Transition" spontanen
Beifall.
Spannende Diskussionen und ein lebendiger Austausch waren auch in
diesem Jahr charakteristisch für die dreitägige Konferenz, die an ihrem
neuen Veranstaltungsort Dallas so viele Teilnehmer anzog wie nie zuvor.
Als Ruth van Reken, vielen durch ihr gemeinsam mit dem kürzlich
verstorbenen Dr. David Pollock veröffentlichtes Standardwerk „Third
Culture Kids“ bekannt, Ende der 90er Jahre an ihrem Küchentisch im
heimischen Indianapolis erstmals die Idee für eine Tagung hatte, die
sich speziell mit den Bedürfnissen mobiler Familien befassen sollte,
wagte sie nicht zu träumen, dass sich daraus in nur sechs Jahren eine
regelmäßig alle 18 Monate stattfindende internationale Konferenz
entwickeln würde, die mehrere Hundert Teilnehmer aus über 15 Ländern
mit ihren Erfahrungen zusammen bringt.
Mittlerweile sind Arbeit und Organisation auf mehrere Schultern
verteilt, seit gut einem Jahr steht hinter der Konferenz der Verein
„Families in Global Transition“. Die Geschäftsführung hat mit Energie
und Engagement Joyce Blake übernommen, die nach ihren
Auslandserfahrungen in Russland und Deutschland auch aus eigener
Erfahrung weiß, mit welchen Herausforderungen mobile Jobnomaden umgehen
müssen. „Wir konzentrieren uns vor allem auf die sogenannten „Soft
Facts“ einer Entsendung, die emotionalen und die psychologischen
Herausforderungen“, sagt sie und ergänzt: „eigentlich auf all das, was
man nicht einfach an einem Ort in eine Umzugskiste packen und am
nächsten wieder auspacken kann“.
Mit Fachvorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen und vielen
Möglichkeiten zum Netzwerken blieb trotz der ungewohnten Größe der
Konferenz auch in diesem Jahr der Anspruch erfüllt,
Personalverantwortlichen, Serviceanbietern und Expatriates ein
gemeinsames Forum zu bieten, um Erfahrungen auszutauschen und
voneinander zu profitieren. In seiner mitreißenden Eröffnungsrede
entwarf der bekannte Journalist und Autor Pico Iyer, der als Kind
indischer Eltern in Großbritannien und Kalifornien aufwuchs und nun
hauptsächlich in Tokyo wohnt, das faszinierende Bild einer
Gesellschaft, in der Länder- und Kulturgrenzen nach und nach an
Bedeutung verlieren und Menschen sich zunehmend als „global souls“
verstehen, die ein Zusammenwachsen der Kontinente als große Chance
begreifen.
Die mehr als 25 Fachvorträge und Workshops der prall gefüllten
Konferenztage waren den Kategorien „Crossing Cultures“, „Spouses and
Partners“, „Global Families“ „Third Culture Kids“, „Transitions“ und
„Education“ zugeteilt, um eine erste Orientierung zu erleichtern.
Beeindruckend war die Bandbreite der Themen: So stellte die
australische Wissenschaftlerin Yvonne McNulty ihre Langzeituntersuchung
„Trailing Spouses“ vor, während Matt Neigh eindrucksvoll erläuterte,
welche Auswirkungen eine mobile Kindheit auf die
Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Die
Interkulturelle Trainerin Val Boyko plädierte dafür, die Unterstützung
von Expats nicht auf die Zeit vor der Ausreise zu beschränken und Dr.
Carley Dodd, Professor für Interkulturelle Studien und Vizepräsident
von SIETAR International, sprach über Möglichkeiten, die Auswahl von
potentiellen Expatriates und ihrer Familien mit Hilfe von Assessment
Centern sichererer zu gestalten.
Neu und sehr erfolgreich waren die „Poster Sessions“, eine Art
Mini-Messe: Fachleute stellten ihre Konzepte oder Forschungsergebnisse
an Info-Tafeln vor und standen interessierten Besuchern für
Erläuterungen und individuelle Gespräche zur Verfügung, die in den
Konferenzpausen und bei den Abendveranstaltungen angeregt fortgesetzt
wurden.
Die Konferenz, die sich vor allem auf die Bedürfnisse mobiler Familien
konzentriert, war allerdings auch geprägt von vielen Überlegungen zur
weltweit angespannten Sicherheitslage. Lebhafte Diskussionen über
angemessene Maßnahmen oder aber auch als überzogen empfundene
Reaktionen zeigten, dass es viele Unsicherheiten zur Einschätzung und
zum richtigen Umgang mit einer sich verändernden Welt gibt.
Um so wichtiger ist eine Plattform wie diese, die alle Beteiligten im
Themenbereich Entsendung zusammenführt. So sprach Dr. Duncan Westwood,
der als Arzt im kanadischen Toronto Expatriates betreut und unterstützt
und zum ersten Mal an der Konferenz teilnahm, mit seiner Einschätzung
sicher vielen Teilnehmern aus der Seele, als er sein persönliches Fazit
zog : „Es ist faszinierend, sich hier als Teil einer Gemeinschaft zu
fühlen, die aus vielen unterschiedlichen Bereichen kommt, sich dem
lebenslangen Lernen verschrieben hat und die Neugier und den Wunsch
miteinander teilt, dass Expatriate-Familien die Jahre im Ausland
positiv meistern. Das Resultat ist gebündeltes Know-how, das enorm dazu
beiträgt, die wesentlichen Faktoren für eine erfolgreiche Entsendung
besser zu verstehen.“ Dass diese Mischung stimmt, findet auch Don
Cummings, der als Berater und Trainer zum Thema Entsendung tätig ist:
„Ich kann diese Konferenz nur jedem empfehlen, der sich mit dem
Gedanken an eine Auslandsentsendung trägt. Und darüber hinaus jedem
Topmanager, der die Auswirkungen verstehen will, die eine fehlende
Unterstützung auf seine Mitarbeiter hat“.
Und wenn wir Sie jetzt neugierig gemacht haben: Die nächste FIGT-Konferenz findet vom 15. bis 17. September 2005 statt.
Weitere Informationen:
http://www.figt.org
Personal.Manager International